Sub- und Gegenkultur

Subkulturen sind Bereiche, die sich deutlich von der „herrschenden“ Kultur absetzen. Beispiele sind Hippies, Mods, Punks, Hip-Hopper, oder Emos. Die Abgrenzung von solchen Gruppen ist in ihrer Ausprägung unterschiedlich stark. Bei Jugendkulturen bzw. Szenen wie Skateboardern oder Hackern ist es so, dass ihre Aktivitäten immer nur einen Teil des Lebens einnehmen und die Normen der dominierenden Kultur trotzdem eine wichtige Bedeutung haben. Um sich abzugrenzen oder aufzufallen, werden neue Zeichen zu charakteristischen Symbolen oder bestehende Zeichen entgegen ihrer ursprünglichen Verwendung eingesetzt. In eigenen Stilzusammensetzungen, wie Kombinationen von Kleidung, Tänzen, Sprache, Gestik, Frisuren oder Musik, heben sich Subkulturen vom „Konsens“ der Gesellschaft ab. 

Wenn man die Entwicklung von Subkulturen näher betrachtet, kann man feststellen, dass diese zunächst auf Widerstand in der dominierenden Kultur stoßen, dann langsam toleranter wahrgenommen werden und am Ende in die Gesellschaft einverleibt werden. Der Moment in dem sie ihren subkulturelle Bedeutung verlieren, ist dann gekommen, wenn ihre Zeichen zum Beispiel bei I-Tunes oder H&M zu kaufen sind. „Sie enden als neue Waren, neue Industrien oder als Jungbrunnen für die alten (so gab der Punk-Stil der Herrenmode denkbar großen Auftrieb). Das geschieht ungeachtet der politischen Ausrichtung der einzelnen Subkulturen: die makrobiotischen Restaurants, Kunsthandwerk- und Trödelläden der Hippie-Ära verwandelten sich, als die Zeit gekommen war, ohne Umschweife in Punk-Boutiquen und Plattenläden. Es geschieht aber auch ungeachtet des zunächst alarmierenden und bestürzenden Inhalts der einzelnen Stile. So konnte man schon im Sommer 1977 Punk-Kleidung und -Zubehör per Katalog bestellen, und im September desselben Jahres brachte Cosmopolitan einen Aufreißer über die letzte Kollektion von Zandra Rhodes‘ Modeverrücktheiten, die ausschließlich aus Variationen des Punk-Themas bestand. Die Modelle funkelten unter Bergen von Sicherheitsnadeln und Plastikzeugs (die Nadeln waren mit Steinen besetzt, das Plastik glänzender Satin), und der dazugehörige Artikel endete mit dem Aphorismus ‚Schockieren ist schick‘, der das nahende Ende der Subkultur ahnen ließ.“115
Aus Subkulturen können also Produkte entstehen, die nicht „von oben“ diktiert wurden. Aus diesem Grund suchen Designer auch gerne in Subkulturen nach Inspiration.
Viele Subkulturen sind bewusste Gegenkulturen, die man als Protest gegen den „blinden Massenkonsum“ und „verallgemeinerten Geschmack“ auffassen kann. Anhänger einer Gegenkultur betreiben durch ihre Zeichenproduktion im Grunde symbolische Angriffe gegen den Massengeschmack. Wenn diese Zeichen aber zu demokratisierten Waren werden, verliert die Gegenkultur ihre Abgrenzungsmöglichkeit. Das passiert, weil der Geschmack eben nicht nur diktiert, sondern auch aufgegriffen wird – wie wir gesehen haben. Die Gegenkultur arbeitet letztlich mit den gleichen Mitteln, wie das System, das sie kritisiert. Das heißt letztendlich auch, dass eine Gegenkultur, die kritisiert, dass im Kapitalismus ein Massengeschmack diktiert und den Konsumenten aufgezwungen werde, selbst ein Beweis dafür ist, dass ihre eigene Kritik nicht stimmen kann. Man kann daher behaupten, dass der Nonkonformist Teil des Systems ist, solange er konsumiert.

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